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Use Case 08 · Integrationen
Umbauten absichern, solange die Anlage noch produziert
Nach der Abnahme beginnt die längste Phase. Eine Anlage läuft zwanzig Jahre und wird in dieser Zeit mehrfach angefasst: eine neue Variante, eine zusätzliche Station, ein Roboter mehr, ein anderes Leitsystem, irgendwann eine Steuerungsgeneration, die es nicht mehr gibt. Der Neubau ist die Ausnahme, der Eingriff in den Bestand der Normalfall.
Jeder dieser Eingriffe trifft eine Anlage, die produziert. Das Zeitfenster ist ein Wochenende oder ein Betriebsurlaub, und was darin nicht fertig wird, kostet Ausbringung. Genau deshalb testet man bei Umbauten zu wenig und hofft zu viel.
Das Fenster ist ein Wochenende
Umbauen, verdrahten, einfahren und prüfen müssen in dieselben zwei Tage. Der Teil, der dabei regelmäßig zu kurz kommt, ist der Test, und ausgerechnet der zählt Montag früh.
Der Bestand steht nirgends
Die Anlage von heute ist nicht mehr die aus der Abnahme. Zehn Jahre Änderungen stecken in der Steuerung und in den Köpfen, vollständig in der Dokumentation allerdings nur selten.
Niemand hält die Linie gern an
Wer den Umbau verantwortet, verantwortet auch den Stillstand. Im Zweifel verschiebt man deshalb, bis die Steuerung nicht mehr lieferbar ist und der Eingriff größer wird als nötig.
Aus der Praxis
Ein Steuerungswechsel in fünf Schritten statt an einem Wochenende
Ein Betreiber löst eine Steuerungsgeneration ab, die es nicht mehr zu kaufen gibt. Der Komplettwechsel über ein Wochenende wäre üblicherweise der Weg gewesen, für den niemand geradestehen wollte: Fällt die Linie am Montag aus, fehlt der Rückweg.
Stattdessen liefen fünf voneinander getrennte virtuelle Steuerungsinstanzen. Jeder Anlagenteil wurde einzeln am Modell eingefahren, freigegeben und erst dann real umgestellt. Der Umbau dauerte insgesamt länger, der Stillstand allerdings nicht, und rückwärts ging es an jeder Stelle.
Was sich dadurch verschiebt
Der Umbau wird davon nicht kürzer. Kürzer wird das Fenster, in dem die Linie steht, weil das Einfahren vorher stattgefunden hat. Und der Weg zurück bleibt offen: Was am Modell nicht trägt, wird gar nicht erst real umgestellt.
Der Hebel
Das Modell bleibt beim Betreiber und trägt jeden weiteren Eingriff
Mit der virtuellen Werksabnahme geht der Modellstand vom Lieferanten an den Betreiber über. Ab da gehört er ihm: Er plant damit Umbauten, schult daran und startet sein nächstes Vorhaben vom Bestand statt bei null. Welche Module das verlangt, steht bei jedem Punkt.
Der Stand gehört Ihnen
Kein Vertragsende, nach dem das Modell zurückgeht, und kein Format, das nur der Lieferant lesen kann. Der übergebene Stand bleibt nutzbar.
Module: dieselbe Lizenz wie in allen vorherigen Phasen; für den Betrieb kommt kein eigenes Modul hinzu.
Einfahren, während produziert wird
Verriegelungen, Übergaben und den Wiederanlauf nach einer Störung fahren Sie am Zwilling. Die Linie merkt davon nichts, weil sie nicht beteiligt ist.
Module: Steuerungsmodule je Fabrikat mit Feldbuskopplung; für den Test gegen reale Hardware zusätzlich Hardware in the Loop.
Ein Projekt, keine Anschaffung
Ein Betreiber macht selten mehr als ein bis zwei solcher Vorhaben im Jahr. Für diese Zahl lohnt keine eigene Infrastruktur; mieten durchaus.
Module: VCaaS-Bundle mit Hardware, Lizenzen und Umgebung für die Dauer des Vorhabens.
Unser Ziel ist, dass die virtuelle Inbetriebnahme im Erstprojekt kostenneutral bleibt. Eingelöst wird dieses Ziel aber nicht im Erstprojekt, sondern hier: Der Modellaufwand ist längst bezahlt, und jeder weitere Umbau nutzt ihn erneut. Aus einer einmaligen Ausgabe wird damit ein wiederkehrender Nutzen, und genau dort kippt die Rechnung endgültig.
Ergebnisse
Was sich beim Eingriff in den Bestand zeigt
Der erste Wert stammt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung eines Brownfield-Projekts. Der zweite stammt aus einem dokumentierten Umbau und steht ohne Herkunftsangabe, weil wir das Unternehmen nicht nennen. Die Schwelle nennt der VDMA in seinem Leitfaden zur virtuellen Inbetriebnahme. Sie ist der Grund, warum für Betreiber das Mietmodell und nicht der Kauf die passende Form ist.
Der Weg dorthin
Auch dann, wenn es nie ein Modell gab
Liegt der Stand aus der Abnahme vor, fangen wir dort an. Meistens liegt der andere Fall vor: Die Anlage steht seit Jahren und ein Modell hat sie nie gehabt. Dann brauchen wir das, was da ist: Layout, Signalliste, den Steuerungscode im laufenden Stand. Wir modellieren den Ausschnitt nach, den der Umbau berührt, und nicht die ganze Anlage.
Dieser Zuschnitt ist die eigentliche Entscheidung. Am Anfang steht deshalb eine eng geschnittene Konzeptstudie zum Festpreis, die den Ausschnitt festlegt und den Aufwand beziffert, bevor Sie das Vorhaben beauftragen.
Grenzen
Was dieser Einsatzfall nicht leistet
Drei Punkte bleiben auch dann, wenn das Modell steht und gepflegt ist.
Ohne Modell fängt es beim Modell an
Für eine Anlage ohne Modell trägt der erste Umbau den vollen Modellaufwand. Erst der zweite profitiert. Bei einer einmaligen Änderung rechnet sich das oft nicht, und dann sagen wir das.
Der Bestand muss stimmen
Undokumentierte Änderungen aus zehn Betriebsjahren stecken erfahrungsgemäß in der Steuerung und nicht im Plan. Sie zu finden ist Aufwand, den niemand vorher genau beziffern kann, wir eingeschlossen.
Die Montage bleibt am Wochenende
Umbauen, verdrahten und den I/O-Check machen weiterhin Menschen an der Anlage. Vorwegnehmen lässt sich die Software, nicht der Schraubenschlüssel.
Nächster Schritt
Welcher Umbau steht bei Ihnen an, und wie lang darf die Linie stehen?
Aus diesen beiden Angaben ergibt sich fast alles Weitere. Im kostenlosen Erstgespräch von rund einer Stunde sehen wir uns an, welchen Ausschnitt der Anlage das Vorhaben berührt und was davon schon dokumentiert ist. Trägt sich der Modellaufwand für diesen einen Eingriff nicht, sagen wir Ihnen das im selben Gespräch.


